Im Sommer 2013 brach ich zu einer knapp 4-wöchigen Fotoreise durch Thailand auf. Mich interessierte natürlich das Land, aber noch mehr die Menschen die hier leben. Ich wollte Kontakt zu ihnen aufnehmen trotz der Sprachbarriere, ich wollte sie kennenlernen, mit ihnen kommunizieren und ich wollte sie fotografieren. Entstanden ist aus diesen Wünschen ein für mich spannendes Fotoprojekt, an dessen Ende ich eine Menge spontaner, herzlicher und bewegender Begegnungen erlebt hatte.
Das spannende an dieser Arbeit war, dass in den meisten Fällen zwischen Entdecken des Models und der Verabschiedung nur 2 Minuten lagen. Sobald mich ein Gesicht faszinierte, nahm ich Kontakt auf, machte meinen Wunsch nach einem Foto deutlich, platzierte die Person, machte das Foto, zeigte es der oder dem Portraitierten, bedankte und verabschiedete mich. Kurze aber dennoch intensive Momente, die bis heute nachwirken. Erstaunlicherweise war es sehr einfach, die Zustimmung zum fotografieren zu erhalten. Von zehn angesprochenen Personen waren im Schnitt neun damit einverstanden, fotografiert zu werden. Ich freue mich, jetzt diese eindrucksvolle Galerie mit 100 Gesichtern unterschiedlichster Thailänderinnen und Thailänder dank des Mediums Internet zeigen zu können.
Und nun Welcome in Thailand:
Bangkok – Am heißesten Tag der Reise, das Leben schien still zu stehen, traf ich diese Nonne im Königspalast. Sie war sofort damit einverstanden, fotografiert zu werden. Mit ihrem sanften Lächeln, dass Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt und diesem tollen Ausdruck gehört ihr Gesicht für mich zu den schönsten Thailands.
Diese Nonne sah ich am Wat Phra Keo beim großen Königspalast in Bangkok während sie sich im Schatten von der Hitze des Tages erholte
Der Servicemann am Bahnhof Bangkok: freundlich, hilfsbereit, kennt jede Verbindung von und nach Bangkok
Nonne in einem kleinen Wat nördlich von Bangkok
Unser Bootsführer beim Besuch der Floating markets, die bereits geschlossen hatten als wir da waren
Pai – Die Anreise nach Pai ist wirklich spektakulär und nichts für schwache Mägen. Denn von Chang Mai aus fährt man mit einem Bus, der sich über 762 Kurven ins Gebirge hochkämpft. Aber es lohnt sich, denn es ist dort oben wunderschön. Von Pai startete ich mit einer kleinen Reisegruppe eine 6-stündige Trekkingtour durch den Urwald. Dort lernte ich diese Familie kennen, die zum Stamm der Lisu gehören. Sie wohnen in Bambus-Hütten wie vor 1000 Jahren und leben hauptsächlich von der Landwirtschaft. Ich wurde zu einem sensationellen Essen eingeladen und erlebte eine spannende Begegnung, der ich diese beiden tollen Fotos verdanke.
Das Oberhaupt der Lisu-Familie im kleinen Bergdorf
Ihre Kinder leben bei Verwandten in der Stadt und erhalten dort auch ihre Schulbildung
Chang Mai – Diese schöne Stadt bildet das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Nordens. Dennoch blieb es für uns bei einem wenige Tage dauernden Stop-over.
Guten Morgen Chang Mai: Rikschas und Garküchen erwarten die ersten Kunden des Tages
Sukhothai – Das tolle an Wochenmärkten ist, dass sie sich auf der ganzen Welt ähneln und auch die Atmosphäre eigentlich überall die gleiche ist. Es wird gelacht, geredet, gestaunt, gefeilscht und geschaut. Ebenso auf dem täglich stattfindenden Markt in Sukhothai. Hier schlenderte ich frühmorgens über den Platz und wurde an vielen Ständen freundlich begrüßt. Es war ein leichtes, hier dankbare Menschen zu finden, die sich gern fotografieren liessen. Sowohl die Marktfrauen und -männer, als auch die Menschen, die hier einkauften. Besonders fasziniert haben mich die beiden folgenden Frauen und Männer. Ich liebe diese Gesichter, denen man jahrelange Arbeit ansieht, die aber dennoch sehr zufrieden wirken. Ein Glück, dass Botox nicht überall als Mittel der Wahl angesehen wird. Diese Gesichter erzählen Lebensgeschichten.
Gesichter voller Geschichten: Marktfrauen in Sukhothai
Große Freude über meinen Besuch. Die Frau rechts oben war geradezu vernarrt in meine Kinder, die ich ihr später vorstellte
Schick zurecht gemacht für den Einkaufsbummel am Morgen: eine Marktbesucherin
Fliegender Händler mit seiner Ware
Hat ein wenig Überwindung gekostet, diese beiden Männer anzusprechen
Sieht ein bisschen aus wie der asiatische Zwillingsbruder von Til Schweiger: der CD-Verkäufer an seinem Musik-Stand
Bauarbeiter am alten Palast in Sukhothai. Auf dieses Foto musste ich etwas warten, da er ein kurzes Nickerchen in der Mittagszeit hielt
Ayutthaya – Eine quirlige Stadt am Fluß Chao Phraya gelegen. Ich fand es großartig, hier einfach durch die Markthallen zu schlendern und das Leben zu beobachten. Klar, dass dabei eine Menge interessanter Gesichter zu entdecken sind. Weitere Fotos entstanden in den Straßen und am Fluß dieser ca. 53.000 Einwohner zählenden Kleinstadt.
Der Bootsmann vom Chao Phraya und zwei Frauen aus Ayutthaya
Oma mit ihren Enkeln. Toll der Ältere, der wahrscheinlich unbewusst die Armhaltung von Spiderman nachahmt, den er auf seinen T-Shirt trägt
Diese Frau mit ihrem Lastkarren traf ich einige Tage nachdem ich sie fotografiert hatte noch einmal. Wir sahen uns auf gegenüberliegenden Straßenseiten, winkten uns zu und freuten uns einfach über das zufällige Wiedersehen.
Die Begegnung mit diesen beiden war schön und traurig zugleich. Die Frau ist die Oma des Jungen, den sie großzieht da seine Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen. Sie verkauft aus Blättern gefertigte Fächer und sehr beeindruckende Heuschrecken. Ein handwerkliches Meisterwerk. Leider habe ich beides auf meiner späteren Weiterreise verloren. In Gedanken bin ich immer wieder bei den beiden und hoffe, dass es ihnen gut geht.
Die Marktfrauen von Ayutthaya
Sie bietet an ihrem Stand am Busbahnhof leckeren Kaffee an – to go oder für hier
Prachuap Khiri Khan – Nach einem viertägigen Stop in Prachuap Khiri Khan, einem Badeort, der hauptsächlich von Thailändern und weniger von Touristen bereist wird, neigte sich dem Ende entgegen. Mit dem Bus sollte es weitergehen gen Süden. Mein Rucksack war bereits im Bus, bis zu dessen Abfahrt jedoch noch ausreichend Zeit war. Also schnappte ich mir meine Kamera und lief in Richtung Ortsmitte, wo ich diese Ladenbesitzer fotografierte, die in der Hauptstraße ihren Geschäften nachgingen. Ich hätte stundenlang weiter fotografieren oder einfach die Menschen beobachten können, wenn nicht plötzlich ein Motorroller neben mir gestoppt hätte dessen Fahrer mir zu verstehen gab, dass ich aufsteige solle. Überrascht tat ich es und es stellte sich heraus, dass der vollbesetzte, abfahrbereite Bus nur noch auf mich wartete.
Kho Tao – Wir waren im Paradies angekommen. Herrliches Wasser, traumhafte Buchten, schönes Wetter trotz Regenzeit. Als Frühaufsteher erlebt man die Insel zu einer Zeit, in der sie hauptsächlich den Einheimischen gehört. Und aufgrund der noch angenehmen Temperaturen finden auch sportliche Aktivitäten hauptsächlich zu dieser Tageszeit statt. So auch ein spannendes Fußballspiel, bei dem ich einige Zuschauer porträtieren konnte. Dazu ein paar Fotos, die ebenfalls in den Morgenstunden entstanden, als die Menschen sich auf den Weg zur Arbeit befanden oder einfach in ihren Tag starteten:
Bangkok – Diese faszinierende Stadt hat uns so beeindruckt, dass wir zum Ende der Reise hier ein paar Tage mehr als ursprünglich geplant verbrachten und dafür sogar zwei Insel-Tage strichen. Die nun folgenden Portraits entstanden überwiegend in China-Town. Ein Viertel, in dem u.a. sehr deutlich wird, dass viele Menschen hier ums Überleben kämpfen. Aber sie tun es mit Würde und sie haben ihre Freundlichkeit und Offenheit nicht verloren. Sehr bewundernswert.
Schön, dass du meine Online-Ausstellung angesehen hast, die ich hoffentlich eines Tages in Form einer klassischen Foto-Ausstellung auch außerhalb des Internets zeigen kann. Ich hoffe die Fotos haben gefallen und freue mich über Feedback, Kommentare und Meinungen. Entweder direkt hier oder per Mail an info@christophtappe.de